ZEN … und das junge Mädchen

ZEN … und das junge Mädchen

4. November 2020 2 Von Michael Muschke


Tränen der Freude, auf dem Weg durch die
Nachmittags-Sonne.

Hast Du schon einmal einen Garten angelegt oder im Herbst unter einem Kastanienbaum gesessen? Hast Du schon einmal mit drei-vier Kinden einen Vor- oder Nachmittag verbracht? Selbst wenn Du nur eine der Fragen mit ja beantworten kannst, wirst Du nachvollziehen können, was ich heute beleuchten möchte.

+ Im Mai setzt Du drei Zucchini-Pflanzen und einige Wochen später bilden sich Blüten. Weitere Wochen vergehen und dann ist es soweit … Du schneidest die erste Zucchini ab. Sie ist vielleicht 18 bis 20 Zentimeter hat noch keine Samen gebildet. In den folgenden Wochen wirst Du endlos ernten! Ich garantiere Dir, selbst wenn Du Fan von diesem Gemüse bist … drei Pflanzen wirst Du nie wieder in die Erde setzen!

+ Wenn Du unter einem alleinstehenden Kastanienbaum sitzt und die Früchte reif sind, erlebst Du wie die rot-braunen Handschmeichler, Kiloweise vom Baum her-nieder-regnen … jedes Jahr aufs neue.

+ Ein Vormittag mit einer kleinen Horde von Kindern und Du weißt, daß Deine Lebensenergie nicht mehr so fließt, wie vor einigen Jahrzehnten. Die kleinen, unternehmungslustigen Engel werden Dich mit Zuneigung und Liebe bombardieren … wahrscheinlich bist Du schreiend davonläufst. Sie werden Dir folgen… 🙂

Warum ich Dir dies erzähle? Ganz einfach, weil es eine Botschaft für Dich enthält. Wenn Du wirklich erfolgreich sein möchtest, kannst Du von der Natur lernen. Sie agiert immer in gleicher Weise … nur eine Spezies scheint auch ohne ›Nature’s Wisdom‹ auszukommen – Homo sapiens (der vernünftige Mensch).

Really? I feel sick!

Wenn Du magst, lies mal die Lyric. Sie drückt wundervoll aus, wie fragwürdig unser Verhalten bisher war.

Bei meinem heutigen Ritt (2.11.), auf den nun Laub-übersäten Wegen unserer Wälder, traf ich auf eine Familie. Vater, Mutter, Sohn und Tochter. Alle waren auf dem Bike unterwegs aber die etwa sechsjährige Tocher war schon 10-12 Meter voraus unterwegs. Der Rest der Familie hatte die Fahrt schon unterbrochen, bevor ich an ihnen vorüberfuhr. Freundliche Gesichter, Lächeln, kein Masken … weder aus Baumwolle, noch Mental-Stoff.
Mit erstaunlichen 20° Celsius zeigte sich der goldene Oktober – eh, November – von seiner besten Seite. Auf der Höhe der jungen Bikerin grüße ich mit einem kurzen ›Hi (sprich: hei)‹. Das Bike schien neu und legte mir eine Interpretation in den Geist. Waren die beiden gerade auf ihrer Jungfernfahrt? Ich habe seit 1.493 Jahren keinen Menschen mehr so strahlen sehen, wie diese junge Lady! Mit liefen echt die Tränen über die Wangen und mein Herz folgte Latein-amerikanischen Rhythmen.

Natürlich war ich schneller unterwegs … ließ Bikerin und Bike zurück. An meiner Lieblingsabbiegung machte ich mich über die letzten Belladonna-Beeren her (ich bin Heiler und weiß was ich tue) und weil die Eupatorium cannabinun da auch herumlungert und zudem noch mit einigen schönen Blätter aufwartet, gab es vom heimischen Mikrobiellen-Killer auch gleich noch ein paar Gramm.
Mein Bike ruhte derweil am Wegsrand … mein H.E.A.D. (HighEndAudioDevice) rannte unbehelligt weiter. Das Bäuchlein füllend, hatte ich die zuvor zurückgelassene Bikerin gar nicht bemerkt und erschrag, als sie mich mit ihren kleinen Fingern an-tippsten. Der Rest der Familie bewegte sich gemächlich auf uns zu. Und da war sie dann wieder … die spontane Umarmung!

„Ich bin so glücklich!“

Schlicht und ergreifend … schnörkelloser Ausdruck einer Empfindung. Two souls on bikes, toward heaven.

„Das sehe ich Dir an. Ist Dein Fahrrad neu?“

„Nein, ich habe es in der letzten Woche bekommen.“

„Dann ich es noch fast neu. Wie ist Dein Name? Ich bin der Michael.“

„Ich heiße Laura.“

Wir – die Eltern und ich – sprechen noch über die Vorzüge von natürlichen Kräutern. Die Kinder amüsieren sich, weil ich mir ein paar Blätter in den Mund stecke und mich bemühe, dabei das Gesicht eines Schafs zu immitieren. Wir verabschieden uns und in meinen Ohren hallt es: Let’s be there for the children…

Moral der Geschichte: Die Natur verschenkt sich üppig. Sie kennt keine Preisschilder, Marketing-Konzepte Werbe-Manipulations-Gesetze. Sie gibt einfach endlos und unaufhörlich.

Moral? Wo kann ich die heute erfahrene Zuneigung kaufen? Warum nehmen wir nicht die Natur als Beispiel?

Noch mehr Moral: Natürlich hatte ich zwiespältige Gefühle bezüglich der spontanen Umarmung. Aber die kleinen Armen hatten mich schon umschlungen, bevor ich überhaupt hätte irgendetwas dagegen ausrichten zu können.

Angst: Die Angst galt der kleinen Lady. Es schoß mir wie Starkstrom durch die Wirbelsäule ins Bewußtsein! Was in Gottes Namen errichten wir hier gerade in unserer Gesellschaft? Was wird aus unseren Kindern, wenn sie noch länger zwangsweise um-erzogen werden und ihre spontanen Empfindungen nicht mehr ausdrücken dürfen?
Ich glaube, ich hatte in den letzten sieben Monaten keine zweite Situation, die mir so deutlich erklärte, wo die eigentlichen Probleme liegen. I am scared – and only – for the children!

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Beitragsbild: ›Couleur‹ Deutschland