Zen … Kunst und Liebe

Zen … Kunst und Liebe

1. Dezember 2020 2 Von Michael Muschke


„In den letzten 10 Tagen haben mich einige Briefe
erreicht. Es waren sogar handgeschriebene
dabei … in meinem Leben eine
absolute Seltenheit.“


Newtons zweiter ›Thermodynamische Satz‹ ist gerade sehr präsent heftiges Schneetreiben. Es paßt zu meiner Stimmung. Mein erste Tag unter Merkur. Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt. Auch in jenen Tagen gab es Momente, in welchen ich nicht total von Angst überschattet war. In diesen Momenten, fühlte ich mich sicher. Meine Eltern haben sehr einfach und nach klaren Regeln gelebt. Ich habe davon sehr profitiert.

„Erinnere Dich – gehe einmal zurück! Fühlst Du dieses geradezu
vollkommene Gefühl, ›sicher‹ zu sein? Was tun Eltern
nicht alles, um ihren Kindern diese Sicherheit
zu vermitteln?“

Oder wenn Du morgens vor dem Frühstück und der Schule noch einen Moment länger im Bett geblieben ist, und still bzw. unbewegt liegend, Deinen Körper bzw. die Umgebung wahrgenommen hast? Die Wärme in Deinem Bauch, die heißen Füße – das Klappern von Geschirr und Tellern aus der Küche zu Dir drang.

Ich spüre all das in einer solchen Intensität – es ist kaum auszuhalten. Allerdings ist der Atmen gleichmäßig ruhig und tief in den Bauch hinein. Ich flute mein zweites und ersten Chakra. Heute ist noch einmal ›Super-Yagya-Tag‹ und all das in eine Überschrift gepackt:

„Es ist ein Gefühl wie Weihnachten.“

Die 30 Zentimeter Neuschnee verstärken mein Weihnachts-Gefühl nur noch. Kinder lieben Weihnachten. Sie kümmern sich nicht um politische Ereignisse in der Welt. Darin liegt der größte Unterschied. Ich treibe wie ein Kind durch den Tag und ›alles‹ was gerade geschieht schwingt in jedem Atemzug mit.


In den Briefen ging es vor allem um Liebe – in der ein oder anderen ausgedrückten Form. Ich fühle darin wohl vor allem meine Sehnsucht. Mit etwa acht Jahren, war es mit der Sicherheit vorüber. Fortan sollte Unruhe und eine Art Verlorenheit vorherrschen. Mit der ersten Freundin wurde die Sehnsucht zum Teil befriedigt; doch mit dem Bruch einige Jahre später, tauchte ich vollends in die Welt des Hin- und Hergerissen-seins hinein.

„Ich habe ein ganz normales
Leben gelebt!“


Es kommt mir so vor, als wenn es nur noch Menschen um mich herum gibt, die mir irgendetwas begreiflich machen wollen. Es ist seltsam, weil ich in diesem Jahr die meisten Zeit mit mir und dem Leben in Frieden leben konnte. Ich fühle mich auch diesbezüglich wie ein Kind. Kindern versuchen wir rund um die Uhr zu erklären, was sie besser machen können und sollen. Wir erklären ihnen was Liebe ist, wie wir uns zu verhalten haben usw. Wir sollten besser zuhören und öfter beobachten, was und wie unsere jüngsten Generationen leben bzw. vorgehen.

Niemand muß einem anderen Menschen erklären, wie sich Liebe anfühlt! Wann immer wir etwas fühlen, ist die treibende Kraft Liebe. Es spielt keine Rolle, ob es uns gefällt oder wir lieber etwas anderes fühlen möchten. Die treibende Kraft ist immer Liebe und sie läßt sich nicht kontrollieren. Damit haben wir ein Problem es paßt nicht in unser Bild von Liebe.

Abdellatif Kechiche hat das absolut beeindruckend und lebensnah in seinem Film: ›La Vie d’Adèle‹ umgesetzt. Adèle (Adèle Exar­cho­poulos) drückt den Verlust der Kontrolle so hautnah aus, ich kann es selbst nach dem zehnten Mal Schauen schier nicht fassen. Und ihre große Liebe ›Emma‹, grandios gespielt von Léa Seydoux, zeigt dem offenen Betrachter, daß wir uns zwar herausnehmen können aber dadurch auch endlos verlieren. Ich benötige keine Anleitung, wie, wen, oder wann ich liebe.

Der Film ist hoffnungslos echt – ein Klassiker und Meisterwerk aus dem Jahre 2013. Adèles Reise in ihre erste Liebe hinein, ihre Fehler und Versuche (nach dem Bruch) den Rahmen wiederherzustellen, ist der exakte Spiegel dessen, was viele von uns erfahren haben. Nach einer solchen Erfahrung ist die Referenz sehr hoch und ohne die Tiefe, auf welche solchen Beziehungen basieren, bleibt Erfüllung schlicht auf der Strecke.

Für mich besteht die ›Lösung‹ ganz einfach darin, die Tiefe bzw. Intensität aufrechtzuerhalten. Ich halte nicht (mehr) an der Person fest, mit welcher ich sie einst erfahren durfte. Ich kultiviere mein Leben in einer Art und Weise, sodaß die Liebe einfach immer präsent ist … ohne kontrollierend einzugreifen oder verschlossen zu sein. Im selben Maße spüre ich unendlich viel deutlicher, auf welchen Ebenen Schwierigkeiten bestehen. Liebe ist niemals reserviert für einen Menschen. Sie ist die Verbindung zu allen Wesen. Die Vorlieben werden durch den Intellekt generiert, der auch in diesem Fall als Filter dient. Ich fühle mich exakt wie Adèle … nur das ich schon ein paar Jahrzehnte länger übe, mit dem Leben ›danach‹ zurechtzukommen.

In den letzten Tagen haben mich viele Erlebnisse meines Leben in die ›Mangel‹ genommen. Mit Sofia im Gras (Isomatte) zu liegen, den Duft der Pilze und Gerbsäuren und die ätherischen Öle der geschnitten Bäume auf mich wirken zulassen, all das hat Erinnerungen geweckt. Sofia war wieder einmal ein Beispiel dafür, was meine Seele in Glück hüllt. Keine Maßregelungen, Besserwisserei … Erwartungen. Wie die Düfte um mich herum, war sie einfach auch da und fügte der Vollkommenheit noch mehr Vollkommenheit hinzu. Das beantwortet alle disbezüglich offenen Fragen und beendet die endlosen Jahre des Suchens.

„Mein Leben in der Zukunft, wird nicht davon definiert, ob und mit wem ich es leben werde. Vielleicht bin ich die meisten Zeit allein? Vielleicht wird es Menschen geben, die daran teilhaben wollen? Es spielt keine große Rolle.“

Den heutigen Tag habe ich mit dem Duft von ägyptischen, blauen Lotus, französischem Honeysuckle und einer Spur wundervollen, kolumbianischen Kakao verbracht. In der Basis kam indisches Sandelholz zur Anwendung.

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…m…

Beitragsbild: ›Ackelei‹ Maria Muecke (Deutschland)