Mother is at Home

Mother is at Home

1. November 2020 2 Von Michael Muschke


Dies ist mein letzter Blog 🙂

Heute gilt ein Mensch als Künstler, wenn er eine Hochschule bzw. Universität besucht hat. Das dort vermittelte Wissen bzw. die erlernten Techniken, sind ganz sicher hilfreich. Die Aubildung entbehrt allerdings einem wensentlichen Punkt. Um das Selbst ausdrücken zu können, muß der Künstler es zunächst einmal erfahren haben. Der morgendliche Blick in den Spiegel ist diesbezüglich wenig hilfreich. So kommt es dann auch immer wieder zu geradezu grotesken Situationen und ganz allgemein scheinen Künstler zu grenzwertigen Verhaltensweise zu neigen.

Ein ganz wesentlicher Aspekt der Kunst ist die Fähigkeit etwas zu erschaffen. Welchem Zweck dient die Darstellung, wenn sie dem Ego entspringt? Das, auf die eigene Person ausgerichtete Ego zur Schau zu stellen, hat nicht wirklich etwas mit Kunst zu tun und führt den ›Schöpfer‹ früher oder später in eine Krise. Depression und Drogenmißbrauch sind in der heutigen ›Kunst-Szene‹ viel zu oft eine traurige Tatsache.


Ein BewuĂźtsein fĂĽr das Selbst

Als Kind hatte ich ziemlich mit Ängsten zu schaffen … war super-sensibel – dazu extrem introvertiert – und meine Eltern waren sicher häufig in Sorge um mich. Dabei war meine Fähigkeit – mehr als die meisten meiner Spiel-Kameraden wahrzunehmen – genaugenommen etwas Wundervolles…

…meine Eltern haben mich nie wirklich verstanden. Ich paßte nicht in ihre Vorstellung vom Leben aber uns verband vorbehaltlose Liebe. Ich habe das Empfinden ›Mother is at Home‹ konkret erfahren. Es ist das Empfinden Nummer Eins, wenn es darum geht sich sicher und wohl in seiner eigenen Haut zu fühlen. In jenen Tagen zog ich dieses Empfinden aus dem Tatbestand, daß meine Mutter immer verfügbar war. Ein echter Luxus – wenn man die heutige Situation betrachtet!
Als Jugendlicher und junger Mann war ich – wie wohl die meisten Menschen – bemüht, meinem Bedürfnis durch den ›Liebespartner‹ gerecht zu werden.
Doch obwohl ich mit meiner Mutter und später mit einer Partnerin das immer präsente Bedürfnis befriedigt sah, – ich fühlte mich sicherer – blieb irgendwie eine Stachel in meinem Bewußtsein zurück. Aus irgendeinem Grund konnte ich mich mich nie voll und ganz auf das Empfinden einlassen. Ich vertraute nicht darauf ›wußte‹ – intuitiv – daß es sich um eine Lüge handelte!

Heute hat sich dieses Bedürfnis von mir nahestehenden Menschen nahezu abgelöst. Es ist also noch vorhanden aber, wird nicht mehr über einen Menschen oder eine Tätigkeiten kompenisiert. Es hat sich nicht viel verändert … wenn man sich darüber einigen mag, das beschriebenen Empfinden als ›Grundbedürfnisses‹ anzuerkennen.


Vor einer Woche wurde ich von meinen Nachbarn eingeladen … vielleicht hast Du den Blog gelesen. Bei dieser Zusammenkunft sprach ich auch über jene Zeit, in welcher ich durch Europa reiste. Ich liebe Strände und noch mehr den Sand, der dort ja fast immer herumliegt. Wir sprachen schon einmal darüber und besonders die Kinder fanden jene, spontan-erfolgte Zusammenkunft ganz offensichtlich super-spannend.
Meine Nachbarin hat selbst auch eine ganze Reihe Sande von ihren Reisen mitgebracht und wir präsentierten uns gegenseitig unsere Schätze. In diesem Punkt kamen wir auf einen gemeinsamen Nenner. Der Tatbestand, daß ich auf meinen Reisen auch die Hölle meines Lebens erfahren hatte, wurde jedoch mit großen, fragenden Augen quittiert. Wieso in Gottes Namen sollte jemand in Angst und Schrecken verfallen, wenn er allein durch Europa tingelt? Für mich steht diese Frage geradezu auf dem Kopf. Wie ist es möglich, daß jemand dies nicht erfährt?

Einen Konsenz finden

Ich wurde mit diesem Thema schon endlos konfrontiert und finde es geradezu beszeichnet, daß es keine wirklich neuen Aspekte mehr gibt. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb, hat mich das Thema die vergangene Woche stark beschäftigt. Die Antwort kam heute Morgen:

Ich bin mit dem Wunsch geboren,
Befreiung zu erfahren.

Durch diesen Tatbestand bekommt alles in meinem Leben eine tiefere Bedeutung. Es ist kein Anspruch, sondern so natürlich wie die Atmung meines Körpers. Ich bin ein Löwe, jage gern und faulenze noch lieber, wenn das Bächlein gefüllt ist.
Wir alle sind auf den ersten Blick gar nicht so unterschiedlich. Ein Bild mag aufdeckne, in welche Richtung mein rechter Zeigefinger weist.

Es ist ein Unterschied, ob man in 30° Celsius warmen Wasser herumschwimmt und von Zeit zu Zeit einmal den Kopf unter die Wasseroberfläche nimmt oder im Bodensee auf 25 Meter hinuntertaucht, sich der Finsterniß und 7° Wassertemperatur, für zweieinhalb Minuten überläßt.

In genau diesem Sinn treibt es mich in Richtung ›Befreiung‹. Der Segen und Fluch meines Lebens besteht darin, das ich die beschriebene Tauch-Situation, rund um die Uhr erfahre … auch dann, wenn ich mir mit einer schönen Lady, beim Italiener, selbstgemachte Linguine è Tartuffo teile. Das war zumindest in der Vergangenheit so und ich hatte mir eine endlose Zahl von Tricks und Techniken zugelegt, um den tatsächlichen Tatbestand zu kompensieren. Schlimmer noch … ich tat so, als wäre es meine Pflicht meine Empfindungen vor meinen Mitmenschen verbergen zu müssen. Ich gab mir damit selbst ein perfektes Alibi!

Heute weiß ich, in welch riesiger Gemeinschaft ich mich befand und nun trennen sich unsere Wege. Ich bin ein Löwe und jage Befreiung. Nicht, aber weil ich den Anspruch habe.

It is the basic-programme and
understanding of my
existence.

Die Mitmenschen sollten durch mich keinerlei Hindernisse erfahren. Von mir geht keinerlei Gefahr aus. So zu tun, als würde die eigene Vorgehensweise keine Beachtung finden bzw. ohne Konsequenzen bleiben, ist absurd und führt oft genug zu einer ablehnden Haltung. Ich verstehe und akzeptiere diese Haltung. Ich bin kein schwarzes Schaf in der Gesellschaft, sondern ein Löwe der die Freiheit jagt, das Bewußtsein liebt … mehr und mehr so lebt, wie er geschaffen wurde.

………………………………………………………………………
…m…

Beitragsbild: Sarah Richter Deutschland