Goldener Oktober

Goldener Oktober

13. Oktober 2020 0 Von Michael Muschke


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Tage im Oktober … Begegnungen

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Wenn ich so darüber nachdenke, … liebe ich alle Jahreszeiten. Aber im Herbst fühle ich mich besonders wohl. Hier oben – in den mittleren Lagen – fallen die Temperaturen allerdings schnell und wenn ich mich aufs Bike schwinge, muß ich ein paar Extra-Lagen Kaschmir überziehen, … anderenfalls wird es kein angenehmer Ritt. Heute Nachmittag stiegen die Temperaturen zumindest auf 7° Celsius. Willkommen, beim heutigen Wetterbericht.

Nachdem ich zumindest soviel vom Schreibtisch erledigt hatte, um am Abend nicht mit Gewissensbissen in Bett zu gehen, trieb es mich in den Wald. Es gibt hier oben ein paar schöne Ecken, von welchen man ein tolles Alpen-Panorama in Anspruch nehmen kann – die Berge werden nun wieder weiß – oder einen herrlichen Blick über den See in Richtung Schweiz genießt. Erinnerungen an meine Sturm und Drangzeit steigen auf, … ein Teil meiner Seele weilt auf den alpinen Gipfeln.

Es kam mir ein frostiger Wind entgegen aber in den Ohren steckten meine japanischen High-Tech-IEM’s – schützten meine diese davor, das Vata in die Höhe zu treiben. Ein durchaus willkommener Nebeneffekt, … Ohrenschmerzen braucht kein Mensch. So ging meine Fahrt hinein in die Wälder, in welchen der Herbst längst seinen Einzug hält. Es roch nach Schnee und auf manchen Wegen liegt ein Teppich aus rot-braunem Laub. Nicht wirklich die Regel, in einer Region die vor allem mit Fichten und Weißtannen aufwartet.

Die ausladenden Sträucher der Tollkirsche hängen nun reichlich gefüllt und ihre schwarzen Beeren strahlen schon aus der Ferne. Kaum jemand rührt sie an. Mit Recht! Tollkirschen sind verlockend aber giftig. Natürliche Heilmittel – Spielweise der Schamanen & Heiler – aber auch Mahnmal der konstantinischen Lehren. Es bereichert das Leben, Gaia’s Schätze zu heben und ihren Nutzen zu kennen. Die Tollkirsche öffnet die uns Augen – lehrt:

„Wahlloser Konsum birgt Gefahren!“


Mein Herz gehört der Kunst – meine Seele ist dem Heiler. Ich lebe auf einem Berg, und bin dem Himmel etwas näher. In unserer Region, mit ihrer reinen Luft, gedeihen die hilfreichen Kräuter besonders gut, … besitzen ein hohes Maß an Heil-Potential. Freitag ist Neumond – ich sollte noch einmal meine Vorräte prüfen.


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Im Herbst ernten wir nicht nur die Früchte in Feldern und Gärten.
Als Menschen unterliegen wir den gleichen Gesetzen
und ernten die Auswirkungen
unserer Taten.“

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Mit diesem Grundgedanken ist es möglich den Herbst noch mehr zu lieben. Schulen & Universitäten, … allzu oft intellektuelle Hochburgen ohne praktischen Zugang zu Liebe. Rhythmen, halten unser Leben in Balance. Niemand zwingt uns – wir leben unsere eigenen Entscheidungen.
Wir haben künstliches Licht erschaffen. Bedeutet dies gleichzeitig, rund um die Uhr, zu jeder Tage- bzw. Nachtzeit, über das gesamte Jahr hinweg, produktiv sein zu müssen? Ich vermute, Tesla, Edison & Co hatten das nicht zwangsläufig im Sinn. Waren die ›Urväter der Elektrizität und Wissenschaft‹ nicht höchstwahrscheinlich – genau wie die negativ geladenen Teilchen – eher Vagabunden? Stets auf der Suche, nach den, noch nicht gelüfteten Geheimnissen des Universums?
Ich sehe mich in genau dieser Tradition, … nur das ich nicht in der Welt der Atome und ihren Gesetzen vagabundiere, sondern im Feld des Bewußtseins. Der Unterschied ist gar nicht so groß – wenn es denn überhaupt einen gibt.

„I like to watch the world
with a reverse angle of view – so to say.“

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An meinem Ziel angekommen – Pfänder-Plattform – minimale Besucherzahl. Für mich ein weiterer Grund, den Herbst zu lieben 🙂 Wie schon oben erwähnt, … toller Blick über den See, schneeweiße Bergspitzen und Hänge bis in die Mittellagen. Mein H.E.A.D. (High End Audio Device) bewegte die Trommelfelle, … nicht immer dem gewohnten Rhythmen folgend. Eine zwangsläufige und akzeptierte Tatsache. Ein ›Tête-à-Tête‹ mit Jeff Beck and Friends läßt gar nichts anderes zu.

„Musik … aktiv gelebte Harmonie.“

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Die Sonne begann sich hinter mächtigen Wolken zu verstecken. Eiseskälte zog herbei. Ich wollte mich schon auf den Rückweg begeben, als ich von einer schicken, gut eingepackten Lady, Mitte der Dreißiger, angesprochen wurde. Eigentlich müßte ich sagen ›an-geknufft‹ wurde, … mein H.E.A.D. ließ verbale Kontaktaufnahme ja nicht wirklich zu. Wahrscheinlich nur deshalb hörte ich meine Seele sprechen. Ehe ich mich versah, waren die Formulierungen schon auf ihrem Weg:

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„Das ist mir schon eine ganze Zeit nicht mehr passiert! Ich hatte für ein paar Monate mein Zuhause in einen Kokon verwandelt oder zelebrierte anderswo, die letzten Züge meines Raupen-Daseins. So wundert es natürlich nicht, daß nun die hübschen Schmetterlinge – kurz bevor der Winter hereinbricht – noch einmal die Runde machen, um den frisch Entpuppten ein Lächeln zu schenken.“

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Herr im Himmel, … ich schreibe solche Zeilen gerne! Ich kann sie kreieren, wandeln, formen und verschieben. Aber als spontane Reaktion auf ein Ereignis? Niemals! Nicht in Begegnung mit einem mir fremden Menschen! Warum nicht? Sind wir einander wirklich so fremd? Die Antwort macht’s verständlich. Ich bewegte mich ungern, in einem mir unvertrauten Terrain! Was soll sich ändern, wenn man nur wiederholt?

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Meine Seele hatte einen Volltreffer gelandet! Das mir entgegensprühende Lächeln hätte selbst der Frau von Lot wieder Leben eingehaucht. Neben der an sich schönen Begegnung empfand ich große Erleichterung, weil ich ganz ohne Maskerade auskam. Nach einem kurzen gegenseitigen Abgleich, war das elendige Masken-Thema vom Tisch, … besser – in die Bergluft entlassen. Und überhaupt: Hier oben in den Bergen zeigen die Menschen sich gegenseitig gerne ihre Gesichter. (Wishful thinking and hope dies last) Der Blick wandert direkt in die Augen. Liegt es an den vielen Heil-Kräutern – der reinen Luft? Vielleicht benötigen wir zwischendurch ein Maske, nur um zu begreifen, wie maskiert wir ohnehin durchs Leben taumeln, … taumelten! Es wird Zeit die Lügen aus dem Gesicht zu entfernen. Es wird ein Prozeß – nichts geschieht über Nacht – Trägheit der Materie.

Es war eine schöne Begegnung und nun – wieder zurück, in meinem Kokon – verstehe ich meine spontane Reaktion noch etwas anders. Ich bin mir heute wieder einmal selbst begegnet. Es wird mir wahrscheinlich niemand glauben aber die knuffende Lady trägt den Namen Heidi.

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„Willkommen im Reich der unbegrenzten Möglichkeiten
oder Wiederholungen – ganz wie Du magst!“

🙂

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…m…